Selbstbau von Gleisen und Weichen

Totaler Selbstbau (Schwellen selber ablängen, Schienenprofile aufbringen etc.) oder auch Fertigbau von Halbbausätzen

Ein Beispiel für Gleisselbstbau in 0m:

Die Schwellen wurden aus Kiefernleiste 3x5mm auf 42mm Länge abgelängt und mit 17mm Mittenabstand verlegt (aufgeleimt). Darauf wurde Schienenprofil Roco code 100 mit Schiennenägeln von model rail (Liechtenstein) aufgenagelt. Auf Unterlegplatten wurde verzichtet.

Die Schienenprofile wurden vor dem Aufnageln rostbraun gestrichen. Der Schotter wurde selber geerntet, und zwar aus dem Bachbett der Warmen Bode bei Braunlage, dort, wo früher auch die Südharzbahn ihren Schotter gewonnen hat (allerdings nicht aus dem Bachbett). Hier liegt der frisch geerntete Schotter zum Trocknen auf dem Balkon der Ferienwohnung:

Wenn der Schotter „trocken“ ist, wird er nach dem Backen eines Kuchens, wenn der Ofen noch heißt ist, eine Viertelstunde in den heißen Ofen geschoben, damit die Restfeuchtigkeit verdampfen kann und alle Kleinstlebewesen davon abgehalten werden, sich später auf der Anlage zu tummeln.

Dann wird gesiebt. Mit einem Satz unterschiedlich feiner Siebe wird der Rohschotter in mindestens drei bis vier Korngrößen getrennt, eine davon ist dann richtig als 0m Bahnschotter.

Die ier gezeigte Schotterfarbe passt du den meterspurigen Harzbahnen, andere Bahnen hatten ganz andere Schotterfarben. Da muss man entweder seinen Schotter ebenfalls selber „ernten“ oder sich aus dem reichhaltigen Angebot (z.B. von ASOA oder Pollak) das Passende aussuchen.

Gaaaanz wichtig: ordentliche Spurlehren! Mit wlecher Zange man die Schienennägel eindrückt, muss jeder Gleisbauer für sich selber herausfinden, aber ordentliche Spurlehren sind ein Muss. Und die müssen zum gewählten Schienenprofil (Kopfbreite) passen. Im Moment ist mir nur eine kommerzielle Quelle bekannt. Der Weichenwalter, der auch 0m-Weichen nach Kundenvorgabe herstellt, liefert auch Spurlehren:

https://www.weichen-walter.de/ww-onlineshop/product_info.php?products_id=244

Hier sieht man Spurlehren im Einsatz beim Weichenbau im Bahnhof Sonnenberg der Braunlage-Andreasberger Eisenbahn:

Welche Schienenprofile für 0m?

BEMO hat darauf verzichtet, eigenes 0m Gleismaterial herzustellen und liefert Ferro-suisse Material: 3mm Schienenprofile entsprechend der schweizerischen VST 36 Schienen der RhB oder Preußen 6, für die meisten Meterspurbahnen zu fett. Die 1:7 Weichen sind aasig lang.

Code 100 Schienen (2,5mm) geben ziemlich genau die Preußen 5 Schiene (24 kg/m) wieder.

Die Grafik basiert auf einer ursprünglich von Herbert Fackeldey für den Mittelpuffer gezeichneten. Eine code 100-Schiene ist 2,54 mm hoch, umgerechnet aufs Vorbild 114 mm.

Eine code 125-Schiene ist 3,13 mm hoch, umgerechnet 143 mm.
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Man sieht also, dass eine code 100-Schiene in 1:45 ziemlich exakt eine preußische Form 5 (24 kg/m) wiedergibt, eine code 125-Schiene jedoch sogar für eine Form 6 oder auch eine schweizerische VST 36 (130 mm hoch) deutlich zu hoch ist.
Nun ist es natürlich, wie bei so vielem Geschmacksache. Wer Meterspurbahn vor dem Krieg nachbaut kann davon ausgehen, dass da ist kaum Fetteres als Form 5 eingebaut worden ist. Später kamen jedoch – zumindest in der alten BRD – von stillgelegten Regelspurbahnen recycelte Form 6 Schienen auf die Meterspurbahnen.

Ganz anders im Bereich der DR (Ost): Dort wurde intensiv Schrott gesammelt und abgebaute Schienen kamen in den Schmelzofen, die Pläne sahen aber nur wenige Schienenformen vor, so dass man bis hinunter zu 600 mm-Spur Bahnen nach dem Krieg auf einmal fette S 49 Schienen sah.
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Hier ein Vergleich von Roco code 100 als originales H0-Flexgleis und links daneben die daraus gewonnenen Schienen auf 0m umgespurt.

Schwellen für das 0m-Gleis

Schwellen werden aus Kiefernleiste 3 x 5 mm hergestellt:

Mit der Mini-Kreissäge werden die Leisten in 42mm lange Stücke zersägt, die dann mit der Sandblattfleile an den Enden versäubert werden. Das kann schon mal eine Geduldsarbeit werden. Für einen Meter 0m-Gleis braucht man durchschnittlich 60 Schwellen.