Ulf Haußen baut den Bello

Ulf musste zum Bau dieser eindrücklichen Maschine der Harzquer- und Brockenbahn nicht überredet werden.

Ein Paradebild des Bello aus NWE-Zeiten. Aufn. Hubert, Slg Steimecke

In dem unter „0m in anderen Medien“ verlinkten Artikel aus der Schmale Spuren über die „Küchentisch-Mallet“ wurde bereits das große Problem meiner Braunlage-Andreasberger Eisenbahn dargestellt, zwar zahlenmäßig genug Triebfahrzeuge zu haben, aber darunter kaum „richtige“ Harzer Loks.
Die drei großen schweren Ts5 aus der Produktion von Henke im Bestand der BAE machen ihren Job gut, ziehen alles, was man ihnen anhängt, aber – wie gesagt – ihre Vorbilder sind dummerweise nie im Harz gelaufen.

Deshalb war es so dringend, die dreißig Jahre alte „Küchentisch-Mallet“ ans  Laufen zu bringen. Und wie Ulf Haußen sie ans Laufen brachte, das ist in dem genannten Artikel ausführlich nachzulesen. Dies war zwar der erste geglückte Versuch, eine Harzer Großlok auf die BAE zu bekommen, aber nicht der erste überhaupt. Schon vor einigen Jahren hatte ich bei dem bekannten Antrieb- und Getriebebauer Gerhard Kasparek in Kusterdingen angefragt, ob er für die BAE eine 1‘BB1‘-Mallet nach dem Vorbild der „Bellos“ der Harzquer- und Brockenbahn bauen würde. Die Wahl war auf diese Maschine gefallen, weil man für sie die damals noch greifbaren Räder der Henke Ts 5 verwenden kann, die nur um wenige Zehntelmillimeter „falsch“ sind.
Gerhard Kasparek nahm die Herauforderung an und lieferte einige Monate später per Post ein rohes Bello-Fahrwerk für Probefahrten auf der BAE. Das sah so aus:

Das Kasparek’sche Bello-Fahrwerk bei Probefahrten im Bf Sonnenberg (Harz) der BAE

Es lief gut, aber nicht gut genug, Bei der nächsten Spur 0-Ausstellung in Buseck, der letzten vor dem Umzug nach Gießen, trafen wir uns und besprachen Optimierungsmöglichkeiten. Danach nahm er das Fahrwerk wieder mit nach Hause – und verstarb wenig später plötzlich und unerwartet. Und leider war das Fahrwerk in seinem Nachlass nicht aufzufinden. Aus der Traum von einem Bello auf der BAE.  

Letztes Jahr, so kurz vor Weihnachten, da hatte sich die BB-Mallet auf der BAE schon im laufenden Betrieb bewährt, kam mir so spontan der Gedanke, ob ich nicht den Mallet-Spezialisten Ulf Haußen fragen könnte, ob er Lust hätte, einen Bello zu bauen. Fragen kostet ja bekanntlich nichts und Schlimmeres als ein Nein von Ulf konnte nicht passieren.
Also fragte ich – und wenn es nicht per email, sondern persönlich gewesen wäre, wäre ich durch die offen stehende Tür auf die Nase gefallen. Schon wenige Stunden später schrieb Ulf zurück, er säße schon am Rechner und habe begonnen, die 1‘BB1‘ zu konstruieren. Na sowas!
Dies war jedoch kein Umbau, kein Ersatzfahrwerk, dies war eine komplette Neukonstruktion. Es dauerte aber gar nicht lange, bis Ulf in Hamm vorbeikam und das angefangene, noch räderlose Fahrwerk auf den Tisch stellte.

Hauptrahmen mit Hinterwagen incl. Motoraufnahme und Rahmen des Vorderwagens sind schon fertig.

Das lief also bestens, beim nächsten Mal würden schon Räder dran sein und auch ein Kessel. Aber wer könnte die Aufbauten herstellen, also Führerhaus und Wasserkästen? Und woraus? Messing? Polystyrol? Jedenfalls kam Sperrholz, wie seinerzeit bei der Küchentisch-Mallet, nicht in Frage.
Nun bin ich ja seit vielen Jahren sehr eng mit Jaffa befreundet, seines Zeichens Eigentümer von Jaffas Moba-Shop und ein großer Laser-Cutter vor dem Herrn. Er hatte den Gedankenaustausch mit Ulf mitgekriegt. „Kann man das nicht lasern?“, fragte er ganz unschudig. Lasern, ein Lokgehäuse? Ein ungewohnter Gedanke. Kurz darauf waren wieder die Spur 0-Tage in Gießen und da trafen sich Ulf und Jaffa und beratschlagten, ob es sinnvoll und möglich sei, auf Ulfs Messingkonstruktion gelaserte Aufbauten zu setzen.

Gießen 2019: Jaffa (rechts) sieht das Bello-Fahrwerk zum ersten mal. Ulf und er diskutieren nun, wie sie ihre Energien zur Synergie zusammenführen könnten, also wie man gemeinsam den Bello erzeugt.

Nun ja, Jaffa konstruierte und laserte ein Vorausmuster, mit dem festgestellt werden sollte, ob zusammen passt, was zusammen gehört.

Das sind noch nicht die definitiven Aufbauten, Jaffa „feilt“ noch an den Details. Die glatten Wasserkästen sind jedoch nicht falsch. Die des Vorbildes waren geschweißt.

Ulf beschränkte sich zuhause auch nicht aufs Däumchen Drehen und erzeugte passende Treibräder für die Maschine und arbeitete weiter an dem Fahrwerk. Kürzlich übermittelte er dieses Bild vom derzeitigen Zustand.

Bello 0m-Fahrwerk mit Motor, aber noch ohne Laufachsen. Foto: Ulf Haußen

Das ist nun also Stand der Dinge; beim nächsten Zusammentreffen von Ulf und Jaffa wird vermutlich schon etwas zu sehen sein, was von Schienenoberkante bis zum Führerhausdach wie ein Bello aussieht. Wenn alles gut verläuft und keine unvorhergesehenen Probleme autauchen, könnte der erste Bello schon zu Weihnachten, also nur ein Jahr nach Bestellung, auf der BAE Probefahrten absolvieren. Nicht auszudenken. OOK.

Seiitensicht aus der 1:45 Zeichnung des Bello in „Harzer Schmalspur-Spezialitäten“ Bd. II (VGB), Grafik: Olaf Otto Kurbjuweit jun.