Warum 0m?

Objektive und subjektive Argumente, rationale und irrationale

Die übergeordnete Frage, warum überhaupt Schmalspur im 0-Maßstab, lasse ich mal außer Acht. Da ist ein Interesse oder sagen wir ein Faible für Schmalspur Voraussetzung, und die Entscheidung für den 0-Maßstab hat ganz andere Hintergründe.

Schmalspur im 0-Maßstab kann heißen 0m, 0e oder 0f.

Von diesen drei von der Spurweite des Vorbildes abgeleiteten Baugrößen hat von Anfang an 0e den größten Zuspruch gehabt. Das ist auch heute noch so. Ein Grund mag sein, dass sowohl Märklin (MINEX) als auch Fleischmann (Magic Train) mit 0e-Bahnen auf H0-Gleisen starteten.

Nur in der Schweiz lief das anders. Das ist auch kein Wunder, gibt es dort auch so gut wie keine Bahnen mit 750mm Spurweite. Deshalb war 0m nach Schweizer Vorbild von Anfang an (FerroSuisse) ein Erfolg. Bis heute. Daran ändert auch das Scheitern der FAMA-Bahn nichts.

Ich werde jetzt keine Spekulationen darüber anstellen, warum 0e in Deutschland mit großem Abstand das Rennen gemacht hat. Eine kleine Vermutung möchte ich aber dennoch zum Besten geben. Ich denke, die 750mm-Bahnen repräsentieren eher das sprichwörtliche Bimmelbähnle, das man meint, wenn man an Schmalspur denkt, dieses nette, kleine, beschauliche und liebenswerte Bähnchen, wo das sprichwörtliche Blumen Pflücken verboten ist. Vielleicht am besten ausgedrückt durch den Spitznamen der 750mm-spurigen Zittau – Oybin – Jonsdorfer Eisenbahn. Die Abkürzung ZOJE wird im Volksmund ausgedeutet als „Zug ohne jede Eile“.

Die Meterspurbahnen wie die Harzquerbahn oder die Euskirchener Kreisbahn haben dieses Flair nicht, zumindest wird es nicht so empfunden.

Links eine Magic Train Lok (Vorbildspurweite 760mm), fälschlicherweise umgespurt auf 0m, rechts eine MINEX 2s (Vorbildspurweite 1000mm) korrekt umgespurt auf 0m, in der Mitte eine württ. Ts5 (1000mm), weitgehend baugleich mit einer sächs. VIK (750mm), eine der ganz wenigen Lokomotiven, die in 0e und 0m richtig sind.
Ein Trambahnzug der Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft (OEG), fälschlicherweise in 0e. Aber daran liegt es nicht, dass dieser Zug als Bimmelbahn empfunden wird, er zuckelte früher mit 10 – 20 km/h durch die Straßen von Heidelberg. Auch in korrekter 0m-Spurweite wäre dies ein rechtes Bimmelbahn-Zügle.

Zwei Harzer C-Kuppler im Vergleich:

Links die HELENE der Barytbahn (750mm-Spur), die als Jagsttalbahnlok der DGEG bekannt wurde, rechts im gleichen Maßstab die Lok 6 (FIFFI) der Harzquerbahn (1000mm-Spur). Grafiken aus „Harzer Schmalspur-Spezialitäten“ Bd. I und II

Was könnten denn nun Argumente für eine Entscheidung für 0m sein?

Beispielsweise

• wenn man gar kein nettes romantisches Bimmelbähnle will, sondern eine zwar schmalspurige aber „richtige“ Eisenbahn.

• wenn man die Fahrzeuge der Harzquerbahn und/oder der meterspurigen Museumsbahnen sehr attraktiv findet

• wenn man eine Straßenbahn mit Güterverkehr machen möchte. Die hat es nur in Meterspur gegeben.

• wenn man die Schmalspur genau so ernst nimmt wie die Regelspur-Nuller ihre Spur 0 und eine Meterspurlok auf 0e-Gleisen daher nicht akzeptabel findet


Normen

Die NEM für 0m konnten sich mangels Praxisnähe nicht durchsetzen. Der FREMO (Freundeskreis Europäischer Modelleisenbahner) hat hier schon früh ein Normenwerk begonnen, das allerdings noch nicht vollständig ist. Hier die bisher veröffentlichten 0m-Normen:

https://www.fremo-net.eu/fi/modulsysteme/baugroesse-0/0m/0m-norm-pdf/

Die für das Zusammenspiel von Radsatz und Gleis relevanten Normen werden in diesem Blog als bindend betrachtet.

Fortsetzung folgt.